Nachtarbeit in der Altenpflege

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21 Uhr im Altenplegeheim in Ludwigshafen:

Die meisten Leute haben schon Feierabend oder der Feierabend ist schon in Sicht. Nicht für die Altenpflegerin Sabrina, 30 Jahre alt* - ihre Schicht fängt gerade an. Wie Sabrina arbeiten über drei Millionen Menschen in Deutschland nachts. Am meisten von Nachtarbeit betroffen sind Menschen, die im Gesundheitswesen, in der Industrie und im Verkehrs-Bereich arbeiten. Um mir einen Eindruck zu verschaffen, wie es sich anfühlt nachts zu arbeiten, durfte ich in einen Altenheim in Ludwigshafen hospitieren und den Ablauf bei Nacht beobachten.

Die Schicht fing mit der Übergabe an. Nach der Übergabe gingen wir durch die Zimmer, um die Bewohner zu begrüßen und sie bei Bedarf zu versorgen. Sabrina erzählte mir, dass ihr das Wohl der Bewohner sehr am Herzen liegt. Die Nacht verlief ohne Zwischenfälle. Um 4 Uhr am Morgen, schon vor Schichtende, entschied ich mich nach Hause zu gehen, da ich sehr müde war. Sabrina ging noch einmal durch die Zimmer und machte anschließend die Übergabe an ihre Kolleginnen und Kollegen.

„Für mich ist die Nachtarbeit zur Normalität geworden“ – Interview mit der Krankenschwester Sabrina (30)

Warum arbeiten Sie nachts? Ihre Arbeit erlaubt Ihnen doch auch tagsüber Ihren Beruf auszuüben?

Ich arbeite nachts, da auch in der Nacht Personalfachkräfte benötigt werden. Die Bewohner müssen rund um die Uhr versorgt werden und falls es einen Notfall gibt, sollte jemand von Fach da sein.

Und wie oft arbeiten Sie Nachtschicht?

Als Personalfachkraft mit 100% kommt es auf etwa siebzehn Nächte im Monat und eventuell noch Spätdienste.

Ist es nicht steßig bei Nacht zu arbeiten - also ständig gegen Ihren Biorhythmus arbeiten zu müssen?

Es kommt darauf an wie die Nächte sind. Es gibt normale Nächte und auch stressige Nächte, zum Beispiel wenn wir Notfälle haben oder wenn die Bewohner nicht schlafen können und unruhig sind. Man gewöhnt sich daran, für mich ist die Nachtarbeit zur Normalität geworden.

Vielleicht sagen Sie uns ihr Geheimnis: Wie erholen sie sich nach einer Nacht in der Sie gearbeitet haben?

Wenn ich wieder zu Hause bin, schlafe ich drei Stunden. Danach versuche ich meinen Alltag so normal wie möglich zu gestalten, zum Beispiel den Haushalt machen, einkaufen gehen, Sport und anderen Hobbies nachgehen.

Welche Aufgaben haben Sie nachts, wenn die Bewohner schlafen und nichts los ist?

Es ist immer was los. Wenn nicht, findet man immer etwas zu tun … Man kann zum Beispiel den Handlauf reinigen, die Übergabe vorbereiten oder ähnliches. Es ist immer etwas zu tun.

Seit wann arbeiten Sie in der Nacht?

Ich arbeite seit 2012 in der Nacht, jetzt also schon fünf Jahre.

Und wie ist es? Kann man sich an die Nachtarbeit gewöhnen?

Am Anfang war das eine große Umstellung, aber jetzt habe ich mich daran gewöhnt. Auch mein Körper macht das jetzt mit ...

Können Sie sich vorstellen, ihre ganzes Leben in den Beruf zu bleiben oder haben Sie andere Pläne für die Zukunft?

Nicht mein ganzes Leben lang, das wäre körperlich zu anstrengend. Aber ich werde es so lange wie möglich machen. Im besten Fall mache ich das, bis ich in die Rente gehe, weil ich meine Arbeit unheimlich gern mache.

 

* Name und Alter geändert

Stadt bei Nacht- Alles schläft? – nein!

Rund um die Uhr stehen Polizisten, Krankenpfleger, Ärzte und die Feuerwehr bereit, um für unsere Sicherheit zu sorgen … Damit wir unsere Zeitung morgens ganz früh beim Frühstück lesen können, wird in der Druckerei die ganze Nacht gearbeitet, damit wir unsere Briefe und Pakete pünktlich bekommen, arbeitet die Post rund um die Uhr.

Die Liste geht weiter…  Bäcker, Straßenreiniger, Taxifahrer, Busfahrer, Bahn-Arbeiter: Sie alle arbeiten für uns in der Nacht. Die Stadt bei Nacht schläft nie!