Ein Portrait über eine Industriestadt und ihr Nachtleben – und wie sie von Frauen wahrgenommen wird

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Zwei Studentinnen – ein Plan: Die Ludwigshafener Innenstadt bei Nacht unter die Lupe nehmen. Wer nutzt die Innenstadt? Wie fühlt sie sich an? Ist sie hell? Dunkel? Kalt? Lebendig? Und wie erleben Frauen die Stadt?

 

Auf in die Dunkelheit!

Also auf zu einem Nachtspaziergang um einen ersten Eindruck zu bekommen. An verschiedenen prägnanten Punkten halten wir inne. Was passiert am Rathauscenter und an der Rheingalerie nachts? Strömen Menschen durch die Einkaufsstraßen, auf dem Weg zu einer Kneipe oder vielleicht zu ihrer Arbeit? Wer hält sich nachts am Berliner Platz auf? Sitzen verliebte Pärchen auf den Bänken am Rhein? Oder vielleicht Menschen ohne festen Wohnsitz? Mit einer Spiegelreflexkamera fangen wir die ersten Eindrücke zur Innenstadt bei Nacht ein.

Was passiert am Rathauscenter und an der Rheingalerie nachts? Strömen Menschen durch die Einkaufsstraßen, auf dem Weg zu einer Kneipe oder vielleicht zu ihrer Arbeit? Wer hält sich nachts am Berliner Platz auf? Sitzen verliebte Pärchen auf den Bänken am Rhein? Oder vielleicht Menschen ohne festen Wohnsitz? [Fotos: Claudia Belsanti]

Ein eigenes Gefühl zur Innenstadt ist durch diesen Nachtspaziergang entstanden. Aber wie nehmen andere Menschen Ludwigshafen (bei Nacht) war? Wie schätzen Frauen die Stadt ein? Was bewegt sie? Halten sie sich bei Nacht gern in Ludwigshafen auf?

Interviews wären gut - aber wie und mit wem?

In der ersten Runde der Interviews fragen wir sehr allgemein nach Assoziationen zu Ludwigshafen. Nach Lieblingsplätzen und auch nach Plätzen, die nachts nur ungern oder gar nicht genutzt werden. Abschließend fragen wir nach Wünschen zu Ludwigshafen bei Nacht und was sich verändern müsste, damit die Stadt häufiger auch nachts genutzt würde.

In einer zweiten Runde beschließen wir, gezielt Frauen aller Altersstufen nach ihrer Perspektive auf die Stadt und ihr Nachtleben zu befragen. Ist Ludwigshafen eine frauenfreundliche Stadt?

Laut einer Studie im Magazin „Fokus“ wurde Ludwigshafen auf den 77'ten und damit letzten Platz der frauenfreundlichen Städte gewählt. Dabei wurde unter anderem nach beruflichen Aufstiegschancen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf (warum gilt das eigentlich immer noch als eine frauenspezifische Frage?!), der Verfügbarkeit von Freizeitangeboten (Shopping-Angebot, Yoga-Angebote, Strickkurse – sind Frauen, die lieber Kampfsport machen und Shoppen als anstrengend empfinden, keine Bezugsgruppe für diese Studie?) und der Sicherheit gefragt.

Laut einer Studie im Magazin „Fokus“ wurde Ludwigshafen auf den 77'ten und damit letzten Platz der frauenfreundlichen Städte gewählt. (...) Wir wollen erfragen, wie Frauen in Ludwigshafen das einschätzen. Wird vielleicht ein ganz anderes Bild von Ludwigshafen gezeichnet? [Foto: Emely Elsasser]

Wir wollen also erfragen, wie Frauen Ludwigshafen einschätzen. Ob vielleicht ein ganz anderes Bild von Ludwigshafen gezeichnet wird. Ob es Orte gibt, die nachts eher gemieden werden. Angsträume, denen eine Bedrohung beigemessen wird, die auf Grund dieser Tatsache von Frauen nicht aufgesucht werden. Auch nach den Veränderungswünschen wollen wir nochmal fragen.

An zwei Nachmittagen befragen wir in der ganzen Innenstadt Frauen aller Altersgruppen.

Ein Portrait über eine Industriestadt und ihr Nachtleben - und wie sie von Frauen wahrgenommen wird

Einige Ergebnisse haben wir als Audiospuren unter verschiedenen Kategorien zusammengeschnitten. Da nicht für alle Tonspuren Einverständnisse zur Veröffentlichung vorliegen, sind die Zusammenschnitte nur als Ausschnitte der gesammelten Informationen zu verstehen.

Was verbinden Frauen also mit Ludwigshafen? Was sind die ersten Eindrücke? Wie beschreiben sie diese Stadt? Wie wird die Stadt genutzt? Was wird genutzt?

Gibt es Lieblingsorte am Tag? Welche sind das?

Gibt es Lieblingsorte in der Nacht? Welche sind das?

Gibt es Angsträume für Frauen? Wo befinden sich diese?

[Fotos der Orte, die Frauen als gefährlich und unsicher beschreiben]

Vor welchen Herausforderungen stehen Frauen in Ludwigshafen, ist Ludwigshafen eine frauenfreundliche Stadt?

Was wünschen sich Frauen für die Stadt bei Nacht? Was müsste sich ändern um die Stadt (bei Nacht) für Frauen interessanter oder nutzbarer zu machen?

Ein riesen Haufen Material bleibt übrig – und was machen wir jetzt damit? Der Versuch einer Zusammenfassung:

Während unseres ersten Nachtspaziergangs fiel uns sofort auf: Die Innenstadt ist heller erleuchtet als jede noch so gut beleuchtete Bahnhofsunterführung in einer beliebigen anderen Stadt. Gruselig kam uns die Stadt nicht vor. Aber leer war sie. Wie leer gefegt. In den Interviews mit den Zugezogenen wurde deutlich: Das Bild von Ludwigshafen ist gar nicht so schlecht, die Zugezogenen fühlen sich wohl, würden sich nur etwas mehr Leben wünschen. Die Menschen hingegen, die schon lange in und um Ludwigshafen herum leben, berichten sehr negativ von der Stadt und ihren Möglichkeiten ihre Freizeit dort zu gestalten.

Lieblingsplätze gibt es einige. Gerade grüne Orte, die zum Verweilen einladen, werden immer wieder genannt. Die Parkinsel etwa oder grüne Außenbezirke wie die Melm. Ebenfalls oft genannt wird die Rheingalerie. Die Innenstadt taucht in der Kategorie Lieblingsplätze nicht auf. Sie gehört zu den Orten, die als leblos und nicht besonders anziehend beschrieben werden.

Als Angsträume werden Stadtteile genannt, in denen Menschen leben, die finanziell schlechter gestellt sind sowie Unterführungen, die keine Ausweichmöglichkeiten bieten. Viele Frauen geben an, dass sie die Stadt in der Nacht kaum nutzen, es sich aber unter anderen Bedingungen durchaus vorstellen könnten. Zu den Wünschen gehören ein größeres kulturelles Angebot, mehr kleinere Cafés und Bars und eine hübschere und grünere architektonische Gestaltung der Stadt.

Körperliche Unversehrtheit wird in Form von Sicherheitsbedürfnissen immer wieder zum Thema. Dazu gehört auch das Bedürfnis als Frau keinen verbalen Angriffen ausgesetzt zu sein. Weder nachts auf der Straße, noch am Arbeitsplatz. Bezug nehmend auf die Fokus-Studie können die meisten Frauen sich zwar vorstellen, dass Ludwigshafen nicht im oberen Bereich liegt, jedoch findet keine der Frauen den letzten Platz gerechtfertigt. Gerade im Punkt verbale Übergriffe scheint Ludwigshafen keine Ausnahme darzustellen. Es wird sogar besser bewertet als andere Großstädte in Deutschland.

 

Offene Fragen

Wir bleiben mit offenen Fragen zurück. Woher kommt dieses Bild von Ludwigshafen? Kaum eine Frau nutzt die Stadt und doch scheint das Unbehagen in Stein gemeißelt. Und wie passen unsere eigenen Erfahrungen zu diesen Ergebnissen? Erleben andere Menschen diese Widersprüche auch?