Dönerhungrige Nachtschwärmer

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Ein Beitrag von Alicia Pfannmüller, Anne Schneider, Julian Meier, Lisa Zimmermann und Alexander Müller

Ludwigshafens Dönerläden bei Nacht - ein Kurzbericht:

Wie nehmen die Mitarbeiter der Dönerläden Ludwigshafen bei Nacht wahr? Was sind die Unterscheide zwischen Tag und Nacht? Welche besonderen Geschichten haben sie in den Nachtstunden erlebt? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, haben sich 5 Studenten/innen am 09. Dezember 2016 auf den Weg gemacht und drei Dönerläden bei Nacht besucht.

IBO-Döner (Friesenheim)

22:00 – 23.00 Uhr

Es ist spürbar, dass Friesenheim ein Stadtteil außerhalb des Zentrums ist. Schon beim Betreten des Dönerladens ist eine familiäre Atmosphäre spürbar. Diese ist erlebbar und beobachtbar am dem Umgang der Mitarbeiter mit ihren Kunden. Man begrüßt sich türkisch. Während der Döner zubereitet wird spricht und lacht man miteinander.

Diese Eindrücke bestätigen sich beim anschließenden Gespräch mit dem Dönerbesitzer. Er berichtet, dass 80% seiner Kunden Stammkunden sind, ganze Familien, generationsübergreifend zu Gast sind. Nachtschwärmer sind die Schichtarbeiter aus dem nahegelegenen Krankenhaus. Partygänger verirren sich eher selten in seinen Laden.

Das abendliche Bild ist geprägt von jungen Menschen - acht junge Menschen sitzen an den Tischen. Dies ist nach seiner Aussage jedoch eher untypisch, da es normalerweise um diese Zeit ruhiger zugeht. Sein Arbeiten bei Nacht beschreibt er als ruhig und familiär im Umgang mit seinen Kunden. Schlechte Erfahrungen hat er keine gemacht. Ein Stammkunde beschreibt den Laden als „Bester Döner der Stadt“ und hebt ebenfalls die „familiäre Stimmung mit den sympathischen Mitarbeitern“ hervor.

Cici‘s- Dönerladen (Berliner Platz)

23:30-24:00 Uhr

Ein kleiner Dönerladen von jungen Leuten gut besucht erwartet uns hier am Berliner Platz. Die Atmosphäre ist Uhrzeit entsprechend. Die jungen Leute sitzen an Tischen zusammen und scheinen ihre erste Partypause einzulegen. Irritiert und fragend schauen sie uns an, als wir den Besitzer um ein Gespräch bitten.

Freundlich bittet er uns Platz zu nehmen. Geduldig und lächelnd wartet er auf unsere Fragen. Er beschreibt, den Klientelwechsel zwischen Tag und Nacht. Das Nachtschwärmerbild ist geprägt von jungen, teilweise alkoholisierten Kunden. Dadurch ist die Arbeitsatmosphäre lustiger und gelöster als tagsüber. Leider kommt es aber auch immer wieder zu Schlägereien. Dies ist auch der Grund für ihn, seinen Laden um 24:00 Uhr zu schließen, um solch einem Streß aus dem Wege zu gehen und auf Security Personal verzichten zu können.

„Safran“- Dönerladen (Berliner Platz)

24:00 – 24:30 Uhr

Anders als bei den bisherigen Dönerläden finden wir hier zwei Anlaufstellen für den Dönerverkauf vor. Man kann sich den Döner zum Mitnehmen direkt von der Straße aus kaufen oder sich in den Laden setzen. Wir entschließen uns Platz zu nehmen. Ein freundlicher Mitarbeiter nimmt sich Zeit für unsere Fragen und setzt sich zu uns, obwohl einige Kunden anwesend sind. Zwischendurch steht er immer mal wieder auf, um die Kunden zu bedienen.

Im Gespräch schildert er uns, dass er erst seit einem Monat im „Safran“ arbeitet. Dennoch kann er uns ein besonderes und ungewöhnliches Erlebnis aus seiner Anfangszeit berichten. Ein Kunde hätte den Laden nachdem er eine Suppe gegessen hätte, einfach verlassen, ohne zu bezahlen. Am nächsten Tag sei derselbe Kunde wieder gekommen, jedoch getarnt in anderer Kleidung und wollte sich wieder eine Suppe bestellen. Lachend verlangte daher unser Gesprächsparner den doppelten Preis der Suppe, wodurch der Kunde erst bemerkte, dass sein Schwindel nicht unentdeckt blieb und sofort wieder verschwand ...

Er erklärt uns den Unterschied zwischen Tag und Nacht. Tagsüber kommen mehr arbeitende Leute für ein Mittagessen in den Laden. Dadurch empfindet er das Arbeiten als stressiger, da die Leute weniger Zeit mitbringen. Nachts kommen die Nachtschwärmer, manchmal auch Feiernde aus dem Musikpark. Mit den alkoholisierten Kunden braucht es viel Geduld, hat aber auch gleichzeitig mehr Raum „Gaudi“ zu machen. Die nächtliche Stimmung beschreibt er als lustig und ausgelassen, weshalb es ihm nichts ausmacht, auch nachts bis 03:00 Uhr zu arbeiten. Er beschreibt Ludwigshafen bei Nacht als "friedlich" und auch die Arbeit macht im sehr viel Spaß.

 

Fazit

Aus unserer Nacht in den drei Dönerläden von Ludwigshafen stellen wir fest, dass es deutlich spürbar ist, ob man sich im Stadtzentrum oder in einem Stadtteil außerhalb befindet. Die Atmosphären lassen sich nicht in positiv oder negativ kategorisieren, sondern weisen verschiedene Merkmale auf.

Außerhalb des Zentrums ist Ludwigshafen ruhiger und familiärer wahrnehmbar. Im Zentrum hingegen ist der Trubel der Nachtschwärmer und die aufgelassene Stimmung der Partygänger greifbar.